Hebamme und mehr...

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Rückmeldung einer verwaisten Mutter

Liebe Heidi!

Ich hatte ja vorher Angst vor der Beerdigung, aber tatsächlich fand ich sie schön und tröstlich.
Und ich möchte dir gerne schreiben, was mir geholfen hat, weil du mir so nah bist und weil es ja vielleicht irgendwann nochmal jemandem helfen kann, der zu dir kommt und Rat sucht.
Es fing damit an, dass wir Anna selber holen durften. Es hat sich so richtig angefühlt. Wir haben unser kleines Mädchen nach Hause geholt. S. ist ganz langsam gefahren, damit wir unseren gemeinsamen Ausflug genießen können.
Dann haben wir Anna am Mittwoch in der Kapelle besucht und verabschiedet. Wir haben uns wieder die Zeit genommen, die wir brauchen und ich habe ihr genau erklärt, was am Donnerstag geschehen wird. Der Abschied war schwer und traurig und ich habe sehr geweint. Aber manchmal fühlt sich Weinen so richtig an, dass das auch schon wieder ein bisschen schön ist.
Ich war so gut vorbereitet auf die Beerdigung. Ich kannte den ganzen Ablauf so genau, weil ich ja alles selbst geschrieben und geplant hatte. Du hattest mich vorbereitet und mir Mut gemacht und ein Freund, der seinen Bruder verloren hat und eine Freundin, deren Mutter gestorben ist, haben mir von den Beerdigungen erzählt und wie sie das empfunden haben. Ich wusste zumindest ungefähr, was mich erwartet.
Dann waren unsere 14 liebsten Menschen dabei. Und so viele andere haben an uns gedacht.
Ich habe so viel Liebe zu Anna empfunden, während der Beerdigung und habe mich gefreut, dass wir es ihr so schön machen.
Wieder war das Gefühl da: wir holen sie nach Hause zu uns.
Und das Gefühl: das Schlimmste liegt schon hinter uns. Die Diagose, die Zeit der Angst und Unsicherheit, das Ringen um unseren Weg, Annas Tod, 4 Tage Schmerzen und Angst im Krankenhaus, Anna allein in Hannover zurück lassen... Das war alles so schwer. Aber wir haben es geschafft. Das hat mir so viel Kraft gegeben.
Ich konnte sogar noch spontan ein paar Worte sagen beim Kaffeetrinken (und ich mache mir sonst sogar Stichworte, wenn ich beim Pizzaservice anrufe).

Du schreibst "Es ist gut." und ich weiß genau, was du damit meinst.
Als wir letztens den Friedhof angeguckt haben, hat S. plötzlich zu mir gesagt:"Was findest du besser? Ein totes Baby oder kein Baby?" Und zuerst habe ich mich geärgert über diese Auswahl und wusste nicht, was ich antworten sollte. Da sagte S. (und klang nachdenklich, sehr sicher und fast ein bisschen glücklich):"Ich finde ein totes Baby besser." Und in diesem Moment habe ich verstanden, wenn ich es schaffe, Anna genau so anzunehmen, wie sie ist und zu fühlen, dass es so besser ist, als es vorher war und als es ohne sie gewesen wäre, dann finde ich Frieden.

Liebe Heidi, ich umarme dich und freue mich auf ein Wiedersehen.
J.

Als ich Heidi zu ersten Mal traf…..

In der 22. SSW haben wir beim Organscreening erfahren, dass unser Sohn eine Fehlentwicklung der Nieren hat. Wir entschieden uns für einen Fortsetzung der Schwangerschaft mit allen Konsequenzen. In der 37.SSW + 4 wurde unser Sohn per Kaiserschnitt auf die Welt geholt.

Als ich Heidi zu ersten Mal traf, hatten wir zwei Tage vorher unseren Sohn 17 Stunden nach seiner Geburt verloren.

Sie erzählte uns von den Angeboten der Leeren Wiege und erklärt mir, dass ich trotz des Verlustes unseres Sohnes ein Recht auf die Hebammenbetreuung habe. Ich sollte allerdings mit meiner Hebamme klären, ob diese mich psychologisch betreuen kann. Meine Hebamme fühlte sich der Aufgabe nicht gewachsen und war sehr dankbar, dass Heidi mir angeboten hatte, zu ihr zu gehen.

Der erste Termin fand drei Wochen später statt. Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen zu Heidi gefahren, denn was erwartet mich dort? Aus Erzählungen von Freundinnen geht es sonst sehr viel um das Miteinander Mutter-Kind und die daraus entstehenden neuen Situationen. Worum soll es in der Betreuung gehen? Was macht eine Hebamme, wenn das Kind gestorben ist? Die erste Stunde war die Anstrengendste aller Stunden. Um sich ein besseres Bild von mir und meiner Lebenssituation zu machen und daraus folgend die für mich passenden Hilfen zu aktivieren, wollte Heidi sehr viel über mich und mein bisheriges Leben erfahren. Ich fühlte mich danach sehr kaputt, aber auch sehr wohl.

In den folgenden Sitzungen wuchs mit der Hilfe von Farben und parallel geführten Gespräche u.a. über meine Kindheit, meine Familie, meine Freunde und natürlich unseren Sohn ein kunterbuntes Seelenbild, auf das ich immer wieder sehr stolz schaue.

Durch diese intensiven Gespräche schaffte es Heidi mir auch zu verdeutlichen, wie stark meine Wurzeln aus meinem bisherigen Leben sind, aus denen ich nun sehr viel Kraft und Stärke ziehen konnte.

Ich merkte auch, dass meine Liebe zu unserem verstorbenen Sohn wieder erwachte, denn aufgrund der uns bekannten Krankheit und des eventuell bevorstehenden Verlustes von ihm, hatte ich mir unbewusst verboten ihn so zu lieben, wie eine werdende Mutter ihr ungeborenes Kind liebt. Nach einer dieser Sitzungen spürte ich plötzlich, obwohl es gar nicht Thema gewesen war, den Drang Fotos von ihm anderen Menschen zu zeigen, Bilder aufzuhängen und Fotoalben über sein kurzes Leben für seine Großeltern zu gestalten. Vor diesem Zeitpunkt konnte ich die Fotos nicht ohne sehr traurig zu werden zeigen.

Ich genoss es zu Heidi zu fahren und über die vielen Punkte wie z.B den Verlauf der Schwangerschaft mit all meinen Freuden und Ängsten zu besprechen, denn es war trotz der Diagnose über die Krankheit eine glückliche und tolle Zeit, mir fehlte nichts und es ging mir gut. Wie jede andere Schwangere hatte auch ich das Bedürfnis über diese tolle Zeit zu reden, aber wenn das Baby stirbt wird dieses Thema oft von der Umwelt verschwiegen, um die Trauernden zu schützen. Dass dieses Verschweigen noch mehr die Betroffenen schmerzt, weiß ich auch erst durch den Tod unseres Sohnes. Heidi half mir das Verhalten von Trauernden und Außenstehenden zu verstehen. In kleinen Rollenspielen lernte ich mich selber besser kennen, wie reagiere ich überhaupt auf meine Umwelt und wie reagiert die Umwelt auf mich? Wie kann ich durch gezieltes Handeln lernen Täter zu sein und nicht Opfer.

Mir gingen oft noch Tage später die Punkte durch den Kopf und ich merkte, dass ich nicht nur körperlich sondern auch psychisch immer stärker wurde und am Ende dieser Einzelsitzungen schaue ich wieder in eine positive Zukunft.